:: Aufbau des Akkordeons ::



Material

Früher wurden beim Bau der Instrumente in erster Linie Holz und Celluloid verwendet. Die Modelle heute bestehen vorwiegend aus Metall, modernen Kunststoffen und hochwertig brennlackierten Verkleidungsteilen, die alle weitgehend temperatur- und feuchtigkeits- unabhängig sind. Das gilt besonders für alle funktionswichtigen Teile, die Bewegungen ausführen. Der Balg besteht aus überzogener Spezialpappe. Die Stimmstöcke sind aus Holz oder Kunststoff gefertigt, die Stimmzungen aus hochwertigem Uhrfederstahl. Auf den Stimmplatten aus Aluminium sind die Stimmzungenschlitze durch Stimmenleder nach außen bzw. innen abgeschlossen. Heutzutage werden statt dem Stimmenleder in der Regel Kunststoffventile verwendet.


Stimmung

Spricht man beim Akkordeon von "Stimmung", so ist damit die Verbindung bestimmter Stimmzungenreihen gemeint. Mögliche Stimmungen sind:
  • Tremolo (Schwebeton-Stimmung)
  • Oktav
  • Doppel-Oktav
  • Mixtur
Um diese akkordeoneigenen Begriffe zu verstehen, muss man näher auf die verwendeten Tonreihen eingehen. Das Akkordeon ist auf der Diskantseite grundsätzlich mehrchörig, d.h. jeder Ton wird nicht nur durch eine, sondern durch mehrere Stimmzungen hervorgebracht. Es liegen also zwei bis fünf Tonreihen, auch Chöre genannt, nebeneinander, die innerhalb des Tonumfangs des Instruments chromatisch durchlaufend alle Einzeltöne enthalten. Zentrale Tonreihe ist dabei die sog. Grundreihe, die auf a' = 440 Schwingungen pro Minute "temperiert" eingestimmt ist. Fast allen Akkordeons ist daneben zumindest eine weitere 8-Fuß-Tonreihe dazugegeben worden, die mit geringem Schwingungsunterschied (3-5 Schwingungen pro Minute Differenz) zur Grundreihe gestimmt ist und im Zusammenklang mit dieser einen sog. "Schwebeton" ergibt, der mit "Tremolo" bezeichnet wird. Ist nur eine Schwebetonreihe vorhanden, handelt es sich um die sog. "Oberschwebung". Bei zwei Tremolo-Reihen neben der Grundreihe spricht man von Ober- und Untertremolo. Tremolo- oder Schwebeton-Stimmung besitzen demnach alle Akkordeons, die neben der Grundreihe über eine oder zwei Schwebetonreihen verfügen. Man spricht dann von zwei- oder dreichörigen Tremolo-Instrumenten.



Über Oktav-Stimmung verfügt ein Akkordeon, das eine im Abstand einer Oktave nach unten oder oben zur Grundreihe stehende Tonreihe besitzt, was aber nicht ausschließt, dass zusätzlich Schwebetonreihen vorhanden sind. Ist neben der in erster Linie verwendeten Oktave noch die hohe Oktave vorhanden, so bezeichnet man diese Verbindung als Doppel-Oktav-Stimmung. Auch hier sind eine oder zwei Schwebetonreihen im allgemeinen eingeschlossen.

Schließlich wird heute noch die Mixtur-Stimmung verwendet, bei der gewöhnlich eine Stimmzunge im Abstand einer Duodezime zur Grundreihe geführt wird. Mixtur-Instrumente haben meist keine Schwebetonreihen.


Alle möglichen und heute gebräuchlichen Stimmungen sind:

Zweichörige Instrumente
2-chörig Tremolo (= Grundreihe mit Obertremolo)
2-chörig Oktav (= Grundreihe mit tiefer Oktave)

Dreichörige Instrumente
3-chörig Tremolo (= Grundreihe mit Ober- und Untertremolo)
3-chörig Oktav (= Grundreihe mit Obertremolo und tiefer Oktave)

Vierchörige Instrumente
4-chörig Oktav (= Grundreihe mit Ober- und Untertremolo und tiefer Oktave)

Fünfchörige Instrumente
Grundreihe mit Ober- und Untertremolo und tiefer und hoher Oktave

Mixtur Instrumente
Grundreihe mit Obertremolo, tiefe Oktave und Oberoktavquinte
Zwei Grundreihen, tiefe Oktave und Oberoktavquinte
Grundreihe, tiefe und hohe Oktave und Oberoktavquinte


Die Tonerzeugung beim Akkordeon



Beim Akkordeon wird der Ton durch freischwingende (durchschlagende) Zungen erzeugt. Durch Bewegung des Balgs entsteht Druck- bzw. Saugluft, die - nach Öffnen der betreffenden Klappen durch Tastendruck - durch Tonkanäle (Kanzellen) an die im Stimmstock auf den Stimmplatten aufgenieteten Stimmzungen geführt wird und diese zum Schwingen und damit zum Tönen bringt. Dieser Vorgang funktioniert so: Aus ihrer Ruhestellung wird die Stimmzunge durch einen Strom aus verdichteter Luft in den Stimmenschlitz hineingezogen bzw. hineingedrückt, schwingt aber, weil sie sehr elastisch ist, wieder zurück. Durch die Druckunterschiede, die sich über und auch unter der Stimmzunge bilden, gerät diese - unterstützt durch die eigene Federkraft - in Schwingungen, die abwechselnd Verdichtungen und Verdünnungen der Luft erzeugen, und damit den Ton angeben. Voraussetzung dafür aber ist, dass ein Minimum an Frequenz, das man als "Reizschwelle" bezeichnet, erreicht wird.


[Quelle: www.das-akkordeon.com]